AUFFÜHRUNGEN 2022

Horváth – Der jüngste Tag
Ein Schauspiel in sieben Bildern

Ein Provinzbahnhof. Kess macht sich die junge Anna an den strammen Stationsvorsteher Hudetz heran.

Ein Kuss, ein verpasstes Signal. Das Zugunglück. In der warmen Frühlingsnacht ist es laut und still.

 

Im Schauspiel «Der jüngste Tag» (1936) geht Ödön von Horváth dem Schuldmotiv, der Suche nach Erlösung und der moralischen Einsicht nach.

Im Dorf redet man über Personal-Rationalisierung und billige Strandferien. Die Leute fahren LKW und Motorrad und sprechen vom Aeroplan. Sie schauen Filme, verehren Filmdiven, lassen sich scheiden – zumindest reden sie davon. Der «Fortschritt» ist in der Provinz angekommen. Die meisten haben es eilig.

Es bleibt noch die Zeit, ans Bier zu denken. 

In dieses Milieu situiert Ödön von Horváth den Freispruch von Hudetz, die unglückliche Liebe und das tragische Ende von Anna, die vor Gericht Hudetz‘ «Unschuld» beteuert hatte. Unter dem Viadukt, wo sich die beiden ein letztes Mal treffen, gesteht ihm die junge Frau, an ihrer Schuld zu verzweifeln.

Der Stationsvorsteher, der seine Schuld an der Katastrophe ausblendet, vollzieht da die «Verlobung»: Er tötet Anna in einer Umarmung und flieht. Während die Geister der Unglücksopfer Hudetz bereden, sich selber zu richten, beschwört ihn die tote Anna – nun als Gespenst – weiterzuleben. 

In «Der jüngste Tag» zeigt Horváth ein provinzielles Milieu, das ungeachtet allen technischen Fortschritts wenig Gebrauch von Denkfähigkeit und Gefühlen macht. Die Charaktere fristen ihr Dasein, ohne das Geschehen um sich herum wirklich verstehen zu wollen. Es sind die Toten, die das Weltgeschehen hinterfragen – nicht die Lebenden.

Horváths Anwendung «transzendenter» Stilmittel – die Szenerie verschiebt sich zusehends vom Diesseits ins Jenseits – offenbart seine visionäre Kraft. Das Übernatürliche wird zum Nährboden der Allgemeinplätze und skurrilen Dialoge, deren Wirkung am stärksten ist, wenn der Bezug zum Realen bestehen bleibt. Im Zentrum stets die Frage: «Wer» oder «was» lenkt die Menschen?

 

Ödön von Horváth

In den Anmerkungen zum Roman «Jugend ohne Gott» notierte Horváth: «Ich glaube nämlich an Gott.

Ich glaube, dass es etwas gibt, das uns lenkt. Ich glaube, dass es einen Herrn des Zufalls gibt».

Ödön von Horváth (1901–1938) sah sich als «Chronist seiner Zeit». Er warnte vor dem Faschismus und war eine Stimme der Menschlichkeit. «Pessimist sein und trotzdem gütig», das sei die grosse Aufgabe eines Schriftstellers. Mit diesen Worten erinnerte Walter Mehring an die «wunderbare südliche Gestalt» eines Menschen voller Humor, Humanität und einer Art Melancholie.

 

Zur Inszenierung

Mit «Horváth – Der jüngste Tag» führt das Theater-Ensemble unter der Leitung der jungen Regisseurin

Katja Zurbuchen in die Welt eines grossen Bühnenautors und Zeitkritikers ein.

​Die Aufführungen finden vom 11.-28. Oktober 2022 in Basel, Liestal und Interlaken statt.

Premiere    Tabourettli Basel | Dienstag, 11. Oktober 2022 – 20 Uhr

Tabourettli Basel | Mittwoch, 12. Oktober 2022 – 20 Uhr

Tabourettli Basel | Donnerstag, 13. Oktober 2022 – 20 Uhr

Palazzo Liestal  | Mittwoch, 19. Oktober 2022 – 20 Uhr

Kunsthaus Interlaken | Freitag, 21. Oktober 2022 – 20 Uhr

Kunsthaus Interlaken | Samstag, 22. Oktober 2022 – 20 Uhr

Theater Arlecchino Basel | Montag, 24. Oktober 2022 – 20 Uhr

Theater Arlecchino Basel | Dienstag, 25. Oktober 2022 – 20 Uhr

Unternehmen Mitte SAFE Basel | Donnerstag, 27. Oktober 2022 - 20 Uhr

Derniere Unternehmen Mitte SAFE Basel | Freitag, 28. Oktober 2022 - 20 Uhr

 

Mit Apéro + Bar im Theater-Foyer  

 

 

MITWIRKENDE

Katja Zurbuchen (*1995), Regie

Sie ist Regisseurin mit Leib und Seele, Schauspielerin, Sängerin, Dozentin.   Katja Zurbuchen inszenierte Irmgard Keuns «Gilgi – Eine von uns» mit grossem Erfolg. Sie spielte im Kurzfilm «SlayQueen»; in der Produktion «Zwei Beize-Teschter» war sie Sängerin und Alleinunterhalterin.

In der südkoreanischen Erfolgsserie «Crashlanding on you» [Netflix] spielt sie die Freundin von Hauptdarsteller Hyun Bin, einem populären Star in Südkorea. Im November 2021 ist Katja Zurbuchen im Basler Basalttheater im Stück «Hallo» zu sehen. Weitere Hauptrollen waren Solange in Jean Genets «Die Zofen» und Fräulein Julie im gleichnamigen Stück von August Strindberg. Katja Zurbuchen ist neben ihrer Regie- und Bühnentätigkeit Gastdozentin an der Schauspielschule Basel.

Ben Gageik (*1988) –  Thomas Hudetz

Er gehört zur jungen Generation aufstrebender, erfolgreicher Schauspieler. Ben Gageik gab sein Debüt 2008 im Kurzfilm «Der arme Bub». In den folgenden Jahren schlossen sich zahlreiche weitere Rollen an – bei ARD, ZDF, RTL und in diversen Kurzfilmen. 2010 spielte er die Hauptrolle in Anil Jacob Kunnels «Pixelschatten». Sein erster Kinofilm «Romeos» feierte in der Sektion ‚Panorama‘ Weltpremiere an der Berlinale 2011. Auf der Bühne trat der Schauspieler sowohl in zeitgenössischen wie auch in klassischen Stücken auf, von Shakespeare, über Schiller, Kleist oder Horváth. In Filmproduktionen war Ben Gageik in «Mord mit Aussicht» und 2020 in «Das Damengambit» zu sehen. Mehr Informationen zu seiner umfassenden Film- und Theaterproduktion, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Gageik

Jasmin Wenger (*1993) –  Anna

Sie ist Schauspielerin, Autorin, Sängerin, Tänzerin. Die Baslerin schrieb mehrere Stücke und trat seit ihrem Abschluss an der Schauspielschule Basel, 2016, in verschiedenen Musicals und Werbespots oder als Synchronsprecherin in Kurzfilmen und Hörspielen auf: «Kurze Zeit in Saus und Braus oder das Himmelfahrtskommando», «Das Spukschloss», «Die andere Seite der Wahrheit oder durch den Sumpf» sind die neueren Produktionen von Constantin Wiedemann, in denen die junge vielseitige Schauspielerin mitwirkt,

s. www.jasminwenger.com

 

Anja Schlegel (*1992)

Nach dem Gymnasium absolviert sie an der Schauspielschule Basel die vierjährige Ausbildung zur Schauspielerin. Seit Abschluss ihres Studiums, 2015, ist Anja Schlegel als freischaffende Künstlerin tätig.

2018 gründet sie gemeinsam mit Bühnen- und Regiekollegen den unabhängigen Verein Freie Bühne Basel, der sich die Förderung der Bühnenkünste zum Ziel setzt. 2021 spielt Anja Schlegel die Hauptrolle in Ödön von Horváths «Die Unbekannte aus der Seine».

Amina Frank

Auf der Bühne sind verflochtene Rollen ihre Stärke: als Lucky in Samuel Becketts «Warten auf Godot», als verheiratete Frau in «Die Stärkere» von August Strindberg, in Ingmar Bergmans «Szenen einer Ehe» oder in «Endstation Sehnsucht» von Tennessee Williams. Aktuell erarbeitet Amina Frank ein Schauspiel-Projekt zu Nestroy, das in Wien-Klosterneuburg, im Salon Louise, aufgeführt wird. 

Lisa Bruder (*1986)

Das Spiel mit der Sprache und das Einbringen ihrer Musikalität erachtet sie als die spannendsten Facetten der Schauspielarbeit. Im Jungen Haus am Theater Basel sang und spielte Lisa Bruder in der Rolle der Mutter in «Drei Groschen für eine Oper» sowie in «1123 Stationen des Scheiterns – Eine Winterreise». Am Theater Basel war sie u.a. in «Der Zauberer von Oz» und «Föhn. Ein zyklisches Wetterspiel» in Nebenrollen engagiert.

Olaf Bockemühl, Theater-Coaching

Er studierte Regie und Schauspiel am Max Reinhardt Seminar Wien und an der Novalis Schule Stuttgart. Er arbeitet als Schauspieler und Regieassistent am Staatstheater Stuttgart bei Michael Gruner, hierauf als freier Regisseur an verschiedenen Staats- und Stadttheatern und in freien Produktionen, u.a. in Stuttgart, Oldenburg, Essen, Berlin, Hamburg, Bremen, Kassel, Basel.

Zu Olaf Bockemühls wichtigsten Inszenierungen zählen: «Der Tod und das Mädchen» von Ariel Dorfman, Büchners «Lenz», «Furcht und Hoffnung in Deutschland» von F. X. Kroetz, «Angels in America» von Tony Kushner, Carl Sternheims «Die Kassette», «Glückliche Tage» von Samuel Beckett, «Die Glasmenagerie» von Tennessee Williams und «Odysseus/Ulysses» von Homer/Joyce.

Olaf Bockemühl gründet 2009 mit Pierre Tabouret die Schauspielschule Basel. Hier inszeniert er u.a. «Fräulein Else» von Schnitzler, Tschechovs «Onkel Vanja», «Michelino» und «Das Bühnentürl» von Jasmin Wenger, Sophokles‘ «Elektra», Strindbergs «Fräulein Julie» und Ibsens «Gespenster».

Claudia Rettore, Produktionsleitung

Als Kulturmanagerin MAS realisiert sie Projekte und Publikationen in experimenteller und klassischer Musik, Kunst, Theater und Literatur. Aktuell ist sie beim Fortepiano Festival «Flügelschläge», bei der CIS-Konzertreihe Basel, in zeitgenössischer Lyrik und in der Klangkunst-Szene engagiert. Zuvor leitete sie mehrere Bildungsprojekte im Auftrag des Kantons Zürich. Die Ethnologin, Germanistin und Sprachwissenschaftlerin schloss ihr Universitätsstudium bei Peter von Matt in Neuer Deutscher Literatur ab, s. www.claudia-rettore.ch

Wir danken für die wertvolle Unterstützung

Sulger-Stiftung

Genossenschaft Migros Aare

Scheidegger-Thommen-Stiftung

Bachofen-Henn-Stiftung

Stiftung Pro Scientia et Arte

Elisabeth Jenni-Stiftung

Kanton Basel-Stadt (Swisslos-Fonds)

Ernst Göhner Stiftung

The Ramsay Foundation

Verein Sampo

Burgergemeinde Bern